Love Steaks

Die laute Lara ist eine echte Revoluzzerin. Sie könnte irgendwann zu den jungen wilden Köchen zählen, sofern sie es überhaupt schafft, ihre Lehre in einem unglaublich spießigen Wellnesshotel erfolgreich abzuschließen. Sie ist alles andere als auf den Mund gefallen, legt alles flach, was nicht bei drei auf dem Baum ist und steht auf Steaks. Wäre sie ein Kerl, dann würde auf sie der Begriff „Macho“ wie der Klaps auf den Hintern der männlichen Kollegen passen. Der zuckersüße Clemens, Masseur und „Mädchen“ für alles im Spa-Bereich, ist das pure Gegenteil. Er ist schüchtern, wahnsinnig höflich, steht auf Chakrenausgleich sowie hawaiianische Heilmethoden und ernährt sich vegetarisch. Er ist stets bemüht, den überwiegend älteren, meist speckigen Gästen respektvoll und alles andere als kompromittierend in die Schwarten zu greifen. Diese Mischung wirkt so unglaublich hilflos, steif und unfreiwillig komisch. Nach außen ist das Hotel ständig bemüht, seinen Schein zu wahren. Hinter den Kulissen brodelt es nicht nur in den Töpfen. Es scheppert, es wird gesoffen und es prallen viele verschiedene Welten aufeinander. In dieser Welt laufen sich natürlich Clemens und Lara über den Weg. Nun heißt es ja immer wieder, Gegensätze würden sich angeblich anziehen. Am Ende des Tages stimmt es zwar nicht, aber für dieses Leinwandliebespaar muss man eine Ausnahme machen. Es haut einen buchstäblich aus den Schuhen, wie sich diese beiden völlig unterschiedlichen Menschen gegenseitig inspirieren, sich auf die Glocke hauen, tief in Wunden greifen und dabei das eine oder andere Kindheitstrauma ans Tageslicht holen.

Da diese deutsche Produktion auf so vielen Festivals der Überraschungsabräumer war, baut „Love Steaks“, der großartige Debütfilm von Jakob Lass, Neugier und ungewollt eine entsprechende Erwartungshaltung auf. Völlig zu Recht hat diese wunderbare Tragikomödie Preise gewonnen. Denn sie ist aufregend anders. Sie wirkt völlig improvisiert, kommt aber daher so authentisch rüber. Neben den beiden glänzend aufgelegten und toll spielenden Hauptdarstellern wurden die weiteren Rollen ausschließlich mit Laiendarstellern besetzt, was an die frühen Komödien des Filmemachers Klaus Lemke erinnert oder aber auch an die Beiträge aus Aktenzeichen XY. Staksig, hölzern, ungelenkig. Komischerweise tut diese Mischung diesem Film extrem gut, denn so entsteht ein dokumentarisch anmutender Einblick in die Arbeitswelt eines Luxushotels.

Gedreht hat Jakob Lass in einem echten Kurhotel an der Ostsee. Seine Dreharbeiten fanden während des laufenden Hotelbetriebs statt. So konnte er in diesen Mikrokosmos mit seinen starren Hierarchien die Nadel exakt setzen und zustechen. Wirklich tragisch, dass sogar eine Revoluzzer-Lara zum Rad im Getriebe wird, was speziell in einer Szene schmerzhaft gebrochen wirkt. Untermalt bzw. verstärkt wird dieses Gefühlskarussell, das man mit den Protagonisten fährt, von einem Soundtrack, in dem unter anderen Andrea Berg, die absurde Spa-Flöte und wuchtige Beats vorkommen.

„Love Steaks“ wirkt neben all den Feelgood- und Schenkelklopferkomödien aus deutschen Landen nicht medium oder gar durch. Diese tragische Independence-Komödie ist blutig, wild und ein echter Rohdiamant. Schleifen übrigens verboten!

Wertung: 9 von 10 

Her

Wir befinden uns in einer gelackten Welt, die so aussieht, wie man sich in den Fünfzigerjahren die Zukunft vorgestellt hat. Die Mode der Protagonisten liefert den Beweis, dass man nur lang genug warten muss, bis die Kleidung von damals wieder angesagt ist. Man(n) zieht die Hose quasi bis unter die Achseln, das viel zu weite Polo steckt im Bund und es kommt noch dicker:  Die Oberlippe ziert ein „Pornobalken“.  Man könnte meinen, dass die Macher dieser Welt Zeitmaschine gefahren sind. Und zwar vorwärts, rückwärts, seitwärts und wieder vorwärts. Somit wirkt der gesamte Look von „Her“ irgendwie merkwürdig. In dieser zukünftige Welt benutzen die durchs Bild laufenden Statisten (man sieht sie so gut wie nie in Gruppen, jeder rennt für sich allein) so etwas wie einen Vorläufer bzw. dann wohl eher Nachläufer des iPhones. Sie halten allerdings ihr Handy nicht ans Ohr. Stattdessen benutzen sie einen schraubenähnlichen Plastikstöpsel, den sie sich in den Gehörgang schieben. Das sieht schon mal recht unbequem aus. In dieser eigentümlich Welt von morgen lebt Timothy (Joaquin Phoenix). Er arbeitet für die Firma „Beautiful-Hand-Written-Letters.com“. Sein Job besteht darin, am Computer zu sitzen und für Kunden wunderschöne Briefe zu diktieren, die dann ausgedruckt so aussehen, als seien sie vom Auftraggeber höchstpersönlich liebevoll mit der Hand geschrieben worden. Vielleicht hätte der Poet doch hier und da auch mal an seine Jugendliebe und Ehefrau Catherine (Rooney Mara) so schöne Worte richten sollen. Stattdessen steht das ehemalige Traumpaar kurz vor der Scheidung. So lebt Timothy jetzt einsam und allein in seiner steril wirkenden Wohnung. Als eine Anzeige auf dem Bildschirm seines Computers aufpoppt, wird seine Aufmerksamkeit geweckt. Der Sprecher des Angebots erzählt irgendwas von der ersten künstlich geschaffenen Intelligenz mit einer eigenen Persönlichkeit, die dich voll und ganz versteht. Der einsame Timothy bestellt das angepriesene Produkt.  Von nun an ist seine ständige Begleitung eine Frau in seinem Ohr, in der Originalversion übrigens von Scarlett Johansson gesprochen, die sich Samantha nennt.

Im Prinzip liefert Joaquin Phoenix in diesem mit einem Oscar für das beste Drehbuch dekorierten Film von Spike Jonze eine One-Man-Show ab. Keine Frage, er spielt diese Rolle großartig. Nur wenige Male in dem Drama, das über zwei Stunden lang ist, spricht er mal mit realen Leuten. Eine davon wird von Amy Adams verkörpert, die gerade von ihrem Mann verlassen worden ist. Sicherlich haben es schon viele selbst erlebt oder zumindest davon gehört, dass man sich unsterblich in eine Telefonstimme verlieben kann. Wir reden natürlich nicht von dieser Art von Stimmen am anderen Ende der Leitung, die einen durch das Menü von diversen Firmen führen. „Wollen Sie dies oder das, dann sagen Sie „Service“. „Service“. „Ich habe Sie nicht verstanden, was wünschen Sie“? „Service!!“. Jeder kennt mittlerweile diese nervigen „Dialoge“. Die vom Computer generierte Samantha ist da wesentlich heller,  sie zeigt Gefühle und hat immer einen witzigen Spruch auf der Lippe.  Die Beiden verstehen sich so gut, wie man sich es nur wünschen kann. Selbstredend, dass Timothy sich unsterblich in sie verknallt.

Der Genuss von „Her“ kann richtig komische Beklemmungen auslösen, die sich beinahe wie ein Alptraum anfühlen und die den Fluchtinstinkt des Menschen animieren. Sitzenbleiben oder den Kinosaal verlassen? Diese Frage kann sich durchaus stellen. Woran das liegt, ist sehr schwer zu erklären. Vielleicht ist der Grund darin zu finden,  dass wir uns alle schon viel zu sehr mit unseren Smartphones befassen und durch Spike Jonzes sehr eigenartigen Film vor Augen geführt bekommen, wie das Ganze enden kann. Auf jeden Fall gehört „Her“ zu den Filmen, die man nicht so schnell vergisst, die zum Diskutieren anregen und die man nicht abschütteln kann wie das verstreute Popcorn nach einem Kinobesuch.

Wertung: Sehr zwiespältige 80%

Philomena

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Die auf wahren Geschehnissen beruhende Geschichte über Philomenas verlorenen Sohn hätte die traurigste der Filmgeschichte werden können. Hätte, wäre nicht der unglaublich gewitzte Stephen Frears („Die Queen“) am Werk gewesen. Als junges Mädchen wird die Titelheldin ungewollt schwanger. Zur Strafe wird das „gefallene“ Mädchen ins Kloster gesteckt. Dort muss sie sieben Tage die Woche in einer Waschküche schuften. Sie bringt unter schlimmsten Qualen ihr in Steißlage liegendes Baby zur Welt. In den Augen der Nonnen ist das die rechte Strafe für ihre Laster und so werden Philomena keine Schmerzmittel verabreicht. Die junge Mutter, die ihren Sohn Anthony heiß und innig liebt, wird gezwungen, ihn zur Adoption freizugeben. Vor lauter Scham wegen ihrer vermeintlichen Sünden fehlt ihr jahrzehntelang der Mut, über diesen unfassbar schweren Verlust zu sprechen. Es vergeht aber kein Tag, an dem sie nicht an ihren Jungen denkt.  An dessen 50. Geburtstag vertraut sie sich aber dennoch ihrer Tochter Jane an. Sie fädelt einen Kontakt zum intellektuellen, kürzlich durch einen Politskandal gestrauchelten Journalisten Martin Sixsmith an. Er hat zwar zunächst mit Geschichten, die die Klatschpresse interessieren, so gar nichts am Hut. Dennoch nimmt er den Job an und begibt sich zusammen mit Philomena auf eine Recherche-Reise von Irland bis nach Washington.

Diese zu Herzen gehende, für vier Oscars nominierte Tragikomödie lebt neben seiner bewegenden Story von seinen glänzenden Darstellern, die der Geschichte viel Herz und Verstand verleihen. Vorneweg dürfen wir die große Dame des britischen Films, Judi Dench, erleben. Sie spielt diese herzensgute Mutter, die ungeachtet ihrer Niederschläge immer an das Gute im Menschen glaubt und sich an höchst trivialen Dingen wie vorhersehbaren Liebesgeschichten erfreuen kann, einfach nur unfassbar gut. Das Gesicht von Judi Dench, ihre Mimik und ihre Bewegungen sind zum Niederknien göttlich. Wäre sie nicht bereits von Queen Elizabeth II zur „Dame of the Order of the British Empire“ ernannt wurden, müsste die Monarchin es jetzt nachholen. Steve Coogan, der britische Comedian, überzeugt ebenfalls in seiner Rolle des Journalisten, der sich eigentlich zu Höherem berufen fühlt. Die beiden zusammen bilden ein äußerst ungleiches Paar, das sich gegenseitig unglaublich bereichert. Der ungläubige Martin entwickelt eine bodenlose Wut auf die Kirche, das Kloster und dessen Bewohner, die der gläubigen Philomena so Entsetzliches angetan haben. Trotz alledem verliert sie nicht den Glauben an Gott, geht immer noch brav zum Beten und kann sich diebisch über kleine Dinge freuen. So ergötzt sie sich ausgiebig an einem kostenlosen Drink im Flieger nach Washington. Und über das tolle Frühstücksbüfett bekommt sie sich erst recht nicht wieder ein. Hier plaudert sie mit dem mexikanischen Koch, der die Omelettes zubereitet, da mit der überfreundlichen Kellnerin, die den Kaffee nachschenkt. Beim abgebrühten Martin erzeugt das eine Mischung aus Fremdschämen, Kopfschütteln und reinster Inspiration.

Die Dialoge, die die Drehbuchautoren (u. a. Coogan himself) dem Leinwandtraumpaar der etwas anderen Art in den Mund gelegt haben, sprühen nur so vor Wortwitz, britischem Humor und Charme.  Es ist ein großes Vergnügen, den beiden völlig ungleichen Menschen zuzuhören. Obwohl sich Philomena ihre Leichtigkeit beibehalten hat, bleibt sie unerbittlich und zielstrebig auf ihrem Weg, ihren Sohn wiederzufinden. Auch wenn sich immer wieder Ängste unter den Wunsch mischen. „Was ist, wenn er fettleibig geworden ist“? Bei den großen Portionen, die in den USA serviert werden, ist diese Furcht durchaus berechtigt. Nur was, wenn es noch viel dicker kommt?

Regisseur Stephen Frears hat mit seiner „Philomena“ eine höchst gelungene Kinoperle abgeliefert, die erfrischt und zugleich das Herz erwärmt, obwohl sie eigentlich traurig und wütend machen müsste. Ganz nebenbei hat er noch eine kleine Liebeserklärung an das traumhaft schöne Irland in seinen Film eingewoben. Dieses wunderbare Werk lehrt uns, dass es durchaus möglich ist, trotz der größten Ungerechtigkeiten, die einem widerfahren, seinen Glauben nicht zu verlieren. Man möchte dieser zauberhaften Dame einfach nur Danke sagen und sie fest umarmen. Phänomenal!  

Wertung: 9,5 von 10 

Das Finstere Tal

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Dass es im Westen nicht nur in Amerika wild zuging, sondern auch in Österreich, mag vielleicht im ersten Augenblick verwundern. Diese Verwunderung weicht aber, sobald man die ersten Szenen von „Das finstere Tal“ gesehen hat. Von der ersten Minute an ist man von diesem Western, der auf dem Romandebüt des Kulturjournalisten Thomas Willmann beruht, gefangen. Mit seiner Leidenschaft für dieses Genre und für Filmmusik im Hinterkopf schuf er sein düsteres Rachedrama, das in einem entlegenen Alpental spielt. In diesem Tal verbreiten der Brenner-Bauer und dessen sechs Söhne Angst und Schrecken. Einer von ihnen wird übrigens richtig gut von Tobias Moretti dargestellt. Noch nie hat man das Herrchen von Kommissar Rex so böse gesehen. Ein sehr dunkles Geheimnis wird von der Dorfgemeinschaft gedeckt. Keiner spricht drüber, aber keiner kann die schrecklichen Dinge vergessen, die vor langer Zeit passiert sind. Dieses Entsetzen darüber ist ihnen noch heute ins Gesicht gebrannt. Kurz vorm nächsten Wintereinbruch, der das Tal von der Außenwelt abschneiden wird, taucht ein junger wohlerzogener Mann auf, der sich Greider nennt. Er hat einen seltsamen Kasten bei sich, mit dem man „Bilder auf Spiegel brennen kann“. Sprich, unsere Dorfbewohner haben bis dato noch nie einen Fotoapparat gesehen. Die Brenners wollen ihn gleich zum Teufel jagen, aber die Handvoll Goldmünzen, die der Greider für die Aufenthaltserlaubnis bezahlt, lassen sie schnell ihre Meinung ändern. Als das Dorf vom Schnee eingeschlossen wird, kommt es zu einem Unfall, bei dem einer der Brenner-Söhne stirbt. Als auch noch der nächste auf seltsame Art und Weise das Zeitliche segnet, waren es nur noch vier, und keiner glaubt mehr an Zufall.

Regisseur Andreas Prochaska hat hier einen richtig wuchtigen und sehr spannenden Film mit grandiosen Bildern abgeliefert. Diesen Schneid muss man erst einmal haben, einen Western in Österreich zu drehen und seine Schauspieler  nicht nur tiefsten Dialekt sprechen zu lassen, sondern sie auch durch tiefen Schnee reiten zu lassen. Dieser Mut wurde bereits mit dem Bayerischen Filmpreis 2014 belohnt. Den jungen Briten, Sam Riley, den Greider aus dem echten Wilden Westen spielen und Deutsch mit Akzent sprechen zu lassen, macht die Story noch authentischer. Neben der jungen Paula Beer, die ganz phantastisch die weibliche Hauptrolle spielt, überzeugt der gesamte Cast. Über das hinaus haben die Masken- und Kostümbildner sowie die Gestalter des Sets ganze Arbeit geleistet.

Optisch und dramaturgisch kann es Andreas Prochaskas aufwändige Produktion durchaus mit einem Tarantino-Western aufnehmen. Im Gegensatz zu den Filmen des Kultregisseurs geht es in dem finsteren Tal völlig humorlos zu, was allerdings überhaupt kein Makel ist. Cowboys österreichisch sprechen zu lassen und dann auch noch kesse Sprüche auf die Lippen zu legen, wäre für dieses Genre mit Sicherheit eine Nummer zu viel gewesen.  

Spannend wird es, wie das Publikum jenseits des Weißwurst-Äquators auf diesen Dialekt-Western reagieren wird. Ihn zu synchronisieren, geht gar nicht. Es würde ein großer Teil des Charmes und des Außergewöhnlichen verloren gehen. Es wäre ein arger Jammer um diesen tollen Film, wenn das mit der österreichischen Mundart nicht all zu vertraute Publikum gleich die Flinte ins Korn – oder sagen wir besser – in den Schnee werfen würde. Es würde ganz bestimmt etwas verpassen. 

Wertung: 9 von 10

#DasFinstereTal

American Hustle

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Anfangsszene: Irving Rosenfeld (Christian Bale) steht minutenlang vorm Spiegel, um sich mit vielen Tricks und Zubehör aus seinem recht üppigen Resthaar eine Frisur zu zaubern, die seinen doch sehr breiten Scheitel verdecken soll. Diese Szene ist dann auch symptomatisch für den ganzen Film. Denn in Hülle und Fülle kommt er daher, der Haarzauber. So gehören die meist opulenten Frisuren und die Berge von Lockenwicklern unterschiedlicher Größen zu „American Hustle“ wie die Schlaghosen zu „Saturday Night Fever“. Womit wir mit diesem Vergleich ganz schnell ins 70er-Jahre Feeling des für zehn Oscars nominierten und mit drei Golden Globes dekorierten Gaunerstücks gehetzt (to hustle) sind.

In dem auf wahre Geschehnisse anspielenden Film von David O. Russell („Silver Linings“) geht es um ein Ganovenpärchen, das vom übereifrigen FBI-Agenten Richie DiMaso (Bradley Cooper mit brüllend komischer Minipli) überrumpelt wird. Um Straffreiheit zu erlangen, müssen Rosenfeld und seine überaus smarte und attraktive Freundin Sydney (atemberaubend: Amy Adams) korrupte Politiker dazu bringen, vor versteckten Kameras Koffer mir Schmiergeld anzunehmen. Um diese überhaupt erst an die Angel zu bekommen, braucht es einen raffinierten Plan. Sie erfinden ein Millionengeschäft, zu dem ein falscher Scheich den Köder ganz besonders schmackhaft machen soll. Das Ganze gerät völlig aus dem Ruder, als die Mafia vom vielen Geld angelockt wird und zu allem Überfluss Rosenfelds Noch-Ehefrau Rosalyn (rasend: Jennifer Lawrence) zum eifersüchtigen Pulverfass mutiert.

Es geht also überaus explosiv in dieser abgefahrenen Satire zu. Selten wurde Eifersucht so gut gespielt, wie von den beiden furiosen Darstellerinnen Lawrence und Adams. Wenn Blicke töten könnten, dann wären die zwei auf jeden Fall den Leinwandtod gestorben. Aber das bleibt ihnen zum Glück erspart. Es wäre auch selten schade gewesen. Wer hätte das gedacht, dass die ansonsten doch eher leicht spröde wirkende Amy so eine bodenlos gute Verführerin spielen kann? Auch Jennifer schlüpft hier in eine komplett andere Rolle und das wieder so oscarreif, dass man jetzt schon mal die Daumen drücken sollte, dass sie nicht wie im letzten Jahr zur Trophäenübergabe auf die Bühne stolpert. Die beiden Kerle in dieser abgefahrenen Komödie stehlen den Mädels zwar nicht die Show, sind aber fast genauso gut. Vor allen Dingen sind sie ziemlich uneitel. Beide mussten sich für ihre Rollen viele Extrapfunde anfuttern. Ihre Wampen halten sie so stolz ins Bild, dass kein Auge trocken bleibt. Und ihre Frisuren tragen sie auch mit einer Selbstverständlichkeit, die allein dafür schon belohnt werden müsste.

Regisseur und Drehbuchautor David O. Russell hat hier richtig geklotzt und überhaupt nicht gekleckert. Daher ist sein neustes Werk vielleicht auch etwas zu lang geworden (138 Minuten). Dennoch hat er neben seinem unglaublich guten Händchen für Schauspieler und seiner großen Liebe zum Detail auch ein großartiges Gespür dafür, was ein richtig guter Film an Zutaten braucht. Seine Story ist ziemlich verflochten. Irgendwann weiß man nicht mehr, wer hier wen betrügt. Es gibt so viele Drehungen und Wendungen, da muss man aufpassen, dass man nicht den Faden verliert. Die Dialoge sind klasse. Es wird aber auch ununterbrochen geredet. Sprich, man muss ständig auf der Hut sein. Apropos Hut. Die Kostüme sind genauso perfekt wie das Make-Up und die gesamte Ausstattung. Die Musik darf natürlich auch nicht fehlen. 70er Jahre Gassenhauer wie „Don’t Leave Me This Way“ und „I Feel Love“ setzen das Tüpfelchen auf das I. Und zu guter Letzt dürfen sich Fans von Bradley Cooper auf eine Tanzeinlage freuen, womit sich der Kreis zu „Saturday Night Fever“ wieder schließt.

Wertung: 9 von 10 

#AmericanHustle

Vaterfreuden

Felix (Matthias Schweighöfer), Liebhaber von scharfen Sexspielen, wird von Karsten, einem Frettchen mit spitzen Zähnen, durch einen Biss in die Familienjuwelen sterilisiert. „Praktisch“, könnte Felix denken. Denn wenn er an irgendwas nicht mal im Traum zu denken scheint, dann ist es ans Vaterwerden. Da man aber nie weiß, ob sich jemals die Meinung zum Thema Kinderzeugen ändert, kann er vom Glück im Unglück sprechen. Denn keine 24 Stunden vor dem Unfall mit dem Nagetier, hat ihn sein Bruder Henne (Friedrich Mücke) zwecks schneller Einnahmequelle zur Samenbank geschleppt. Hier ruht jetzt tiefgefroren die überaus fruchtbare Körperflüssigkeit von Felix. Bei ihm bricht beim Gedanken, seine Samen wären schon zu zukünftigen Babys verarbeitet worden, blanke Panik hervor. So setzt er alles dran, diese für spätere Gelegenheiten zurückzubekommen. Gespendet ist allerdings gespendet. Und so gibt es kein Zurück. Henne fühlt sich am Unglück nicht ganz unschuldig. Schließlich gehört das Frettchen ihm. Nur weil er mit Sack und Pack zu seinem jüngeren Bruder gezogen ist, konnte Karsten überhaupt die Gelegenheit nutzen, Felix in die Hoden zu beißen. So ergreift der ansonsten ziemlich verplante Henne die Initiative, schmuggelt sich in die Samenbank und findet heraus, dass die Sportreporterin Maren Heinze (Isabell Polak), die mit dem reichen Yuppie Ralph (Tom Beck) in einer Traumvilla lebt, mittlerweile die werdende Mutter des noch ungeborenen Kindes von Felix ist. Der setzt jetzt alles dran, möglichst schnell Kontakt zur prominenten Maren zu bekommen. Dabei tritt der vom Frettchen gebissene in jedes Fettnäpfchen, das sich ihm in den Weg stellt.

Nachdem Schweighöfer und Mücke bereits in der gelungenen Komödie „Friendship“ zusammen vor der Kamera standen und wunderbar miteinander harmonierten, war die Idee, wieder einen gemeinsamen Film zu drehen, erst einmal eine richtig gute. Denn wer Spaß an den beiden Ossies auf US-Trip hatte, wird auch ein potentieller Besucher vom neuen Film sein. Über das hinaus sind die beiden auch noch richtig gute Schauspieler. Dass Schweighöfer viel mehr kann, als was er in seinen Filmen so zeigt, ist spätestens seit dem einen legendären Tatort bekannt. In „Vaterfreuden“ spult er erneut sein bekanntes und beliebtes Programm ab. Mücke, festes Ensemblemitglied am Münchner Volkstheater, hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Wirklich ein Jammer, dass auch der schnuckelige Friedrich so überhaupt nicht sein Potential ausschöpfen kann. Seine Rolle des grenz-debilen großen Bruders ist nur bedingt lustig.

Des Weiteren haben an dem Drehbuch zu „Vaterfreuden“ sage und schreibe sieben Autoren mitgewirkt. Viele Köche verderben den Brei? Ja, leider, zumindest stellenweise. Als Berater fungierte kein anderer als Simon Verhoeven, der die schönen und ausformulierten Geschichten um die „Männerherzen“ gesponnen hat.  Von dieser Akribie und der Kunst, Figuren zu entwickeln, ist bei den „Vaterfreuden“ nicht mehr viel übrig geblieben. Die Geschichte wirkt ziemlich konstruiert und teilweise richtig flach. Sie hat aber durchaus auch ihre liebenswerten, nachdenklichen und auch brüllend komischen Momente.

Schweighöfer, der bei diesem Film zum dritten Mal Regie führte und einer der erwähnten sieben Drehbuchautoren ist, entwickelt sich immer mehr zum zweiten Til Schweiger. Auch sein Rezept ist mehr oder weniger immer das gleiche. Herz, Schmerz, Liebe, Humor, Schenkelklopfer werden in einen Topf geworfen, es wird kräftig gerührt und heraus kommt eine Feelgood-Komödie, in der der immer wieder beliebte Geburtsvorbereitungskurs nicht fehlen darf. Solche Filme kann man sich zum Zeitvertreib gut und gern ansehen. Die Bilder sind schön, die Menschen sowieso. Auf die Kinder dieser Welt wird quasi eine Hymne gesungen, was ganz zauberhaft ist. Darüber hinaus darf sich „unser schönes München“ mal wieder von seiner besten Seite zeigen. 

Wertung: 7 von 10

#vaterfreuden 

Oscar Nominierungen

Was mich total freut, ist -  neben den zahlreichen Erwähnungen für „12 Years a Slave“ - die Nominierung für „Broken Circle Breakdown“, mein absoluter Lieblingsfilm und Herzensbrecher aus 2013.

http://www.zelluloid.de/filme/kritik.php3?id=44443&tid=16624

Dieses Meisterwerk aus Belgien ist leider in den Kinos total untergegangen. Klar, dass „Kino, Mond & Sterne“, der Perlentaucher der Münchner Kino-Open-Air Szene, diesen wunderbaren Film in der letzten Spielzeit im Programm hatte. Seit ein paar Wochen gibt es dieses Drama auf DVD. Also, liebe Freunde des großen Kinos, die diesen Film bisher noch nicht gesehen haben:  Nachsitzen! 

Der deutsche Beitrag „Zwei Leben“ hat es nicht unter die letzten Fünf geschafft. Das geht meines Erachtens in Ordnung. Fans von Mads Mikkelsen, dessen schauspielerische Leistung mit Sicherheit zur Nominierung von „Die Jagd“ beigetragen hat, werden sich besonders freuen. Der Film ist wirklich sehr beeindruckend, allerdings hat mir das Ende nicht gefallen. Irgendwie wusste der Drehbuch-Autor nicht, wie er aus dieser Nummer wieder rauskommt. Dass der Film in der Kategorie „Foreign Language Film“ dennoch nominiert wurde, ist gut so. Die Geschichte zeigt, was passieren kann, wenn man aufgrund einer falschen Anschuldigung von den Massen zum Abschuss freigegeben wird.  Sehr beängstigend. Dass „Blau ist eine warme Farbe“ keine Erwähnung fand, darf niemanden wundern. Auch nicht die Cannes-Verehrer. Wenn mich nicht alles täuscht, stand dieser Film in den USA auf dem Index, sprich er wurde in den Staaten nicht gezeigt, was automatisch das Aus für eine Nominierung bedeutet.

Für Daniel Brühl tut es mir nicht nur aus patriotischen Gründen leid, dass sein Name nicht genannt wurde. Für seine Darstellung als Niki Lauda in „Rush“, hätte er es verdient. Der Film scheint bei der Academy völlig untergegangen zu sein, obwohl der wirklich spannend und gut ist. Schade! 

Im Gegensatz zu den Golden Globes wurde Woody Allens Drehbuch zu „Blue Jasmine“ nominiert. Dass seine Hauptdarstellerin Cate Blanchett als die Favoritin ins Rennen geht, ist eh klar. Ihre Darstellung ist grandios. Ich fand allerdings auch das Buch überragend und war bei der Bekanntgabe der Golden Globe Anwärter ziemlich erstaunt. Da hat die Academy ein besseres Händchen bewiesen.

Hier noch die Starttermine der Filme, die bisher noch nicht in Deutschland liefen. Die Verleihung findet am 2. März statt. Sprich, wir Filmliebhaber haben noch einiges zu erledigen.

12 Years a Slave                 16.1.2104               

The Wolf of Wall Street        16.1.2014

Nebraska                              16.1.2014

Dallas Buyers Club                 6.2.2014

America Hustle                      13.2.2014                                         

Philomena                              27.2.2014

Her                                         27.3.2014 (WTF)

Zum Schluss noch eine Geschichte wie aus dem Märchenbuch. Barhad Abdi, bis vor kurzem noch Limo-Chauffeur, hat in Capt. Phillips so überzeugend den somalischen Schiffsentführer gespielt, dass ich im Kino dachte, man hätte ihn direkt von einem gekidnappten Frachter nach Hollywood gezerrt.  So echt, so authentisch, so fies, so preisverdächtig. Da hätte ich jetzt gern Mäuschen gespielt, als sein Name genannt wurde. Keiner kann so überzeugend und vor Selbstüberschätzung überbordend „I’m the Captain“ sagen. Klasse. Es bleibt spannend.

Zwei vom alten Schlag

Es gibt Filme, bei denen man bereits wegen der Besetzungsliste vor lauter Ehrfurcht erstarrt, da ist der Vorhang noch geschlossen. „Zwei vom alten Schlag“ gehört zweifelsohne dazu. Weltstars wie Robert de Niro, Alan Arkin, Kim Basinger, allesamt Oscarpreisträger, sowie Sylvester Stallone, der immerhin zweimal nominiert wurde, gehören dem Cast an. Der Vorhang öffnet sich, der Plot klingt erst einmal recht vielversprechend. Die beiden größten Boxlegenden der Leinwandgeschichte werden sich wieder im Ring gegenüberstehen. Auf der einen Seite: Robert de Niro alias Jake LaMotta („Wie ein wilder Stier“), auf der anderen Seite: kein anderer als the One and Only Rocky Balboa. Mittlerweile sind die beiden nicht mehr die Jüngsten, was aber sehr gut zum Zeitgeist der Oldies-but-Goldies-Filme („RED“, „Last Vegas“) passt. Freilich schlüpfen sie nicht in ihre früheren Leinwandfiguren. Für ihren jüngsten Film wurden zwei neue Boxlegenden geschaffen. Es geht um die Boxgrößen Billy „The Kid“ McDonnen und Henry „Razor“ Sharp, beide aus Pittsburgh. Vor 30 Jahren waren sie die größten Lokalmatadoren im Ring. Jeder hat den anderen einmal besiegt. Am Vorabend des ultimativen Tie-Breaks machte Razor damals einen Rückzug und gab seinen endgültigen Abschied vom Boxsport bekannt. Auch nach drei Jahrzehnten können die beiden Erzrivalen immer noch nicht im selben Raum aufeinandertreffen, ohne sich gegenseitig an die Gurgel zu springen. Der wahre Grund, der sich im Lauf des Films offenbart, ist allerdings nicht nur die Konkurrenz im Ring.  Es geht, wie so oft, um die Liebe. Zwei Männer, die dieselbe lieben bzw. liebten. Oder so ähnlich. Die Frage, wie der dritte Kampf wohl ausgegangen wäre, beschäftigt die Menschen auch nach so einer langen Zeit immer noch, was wiederum ein Fest für die alten und die neuen Medien ist. Kein Wunder also, dass ein gewiefter Boxpromoter (Kevin Hart) auf die irrwitzige Idee kommt, die zwei alten Säcke noch mal gegeneinander in den Ring steigen zu lassen. 

Um fit zu werden, muss erst einmal trainiert werden. Da bekommt man beim Zuschauen schon Arthrose. De Niro ist mittlerweile 70 Jahre alt. Da stellt sich wirklich die Frage, warum sich so ein großartiger Schauspieler so einen Blödsinn antut. Es ist nämlich nicht nur peinlich, sondern wirkt fast lustlos. Es kommt beinahe der Gedanke auf, dass der zweifache Oscarpreisträger seine Portokasse aufbessern wollte. Das Gleiche gilt für Sylvester Stallone. Ihm beim Runterschlucken von rohen Eiern zuzusehen, ist heute überhaupt nicht mehr witzig. Insbesondere deshalb, da man im Gegensatz zu Rockys Hochzeiten weiß, dass das ernährungsphysiologisch der absolute Schwachsinn ist. Kim Basinger, mittlerweile auch schon 60, sieht immer noch sehr hübsch aus. Aber das nützt auch nichts, da sie ihre Rolle beinahe gelangweilt spielt. Die beiden Darsteller, die es rausreißen und denen es Spaß bringt, zuzusehen sowie zuzuhören, sind Alan Arkin als Razors Trainer und Kevin Hart als Boxpromoter. Ansonsten wirkt alles wie schnell mal runtergekurbelt. Wobei der Film alles andere als rasant ist. 113 Minuten, in denen man sich als Zuschauer fragt, ob man eventuell einen schlechten Tag hat, weil der Funke einfach nicht überspringen will. 

So richtig schlimm ist dann aber nur der tatsächliche Kampf. Zwei Männer im Rentneralter hauen sich eins auf die Rübe und tänzeln dabei wie Tanzbären auf Valium. Das tut so ähnlich weh, wie die geschwollenen Augen der Protagonisten. Leider wirft keiner das Handtuch und daher muss man sich bis zum Sieg nach Punkten durch diesen nicht mal spannenden Kampf quälen.

Schade also, dass „Zwei vom Alten Schlag“ in keiner Weise in die Fußstapfen der modern und witzig gemachten Parodie „RED“, die den Zuschauern gezeigt hat, was die Oldies noch drauf haben, treten kann. Dieser Film, der eine Komödie sein will, ist leider eher ein Mitleid auslösendes Drama. Daher erfinden wir mal schnell eine neue Wertung für Boxerfilme: die blutigen Nasen. 4 von 5 gehen davon an „Grudge Match“, so heißt dieses Werk recht passend im Original. 

 Wertung: 5 von 10

Diana

Kann man es Diana verübeln, dass sie in ihrer Ehe mit Charles todunglücklich war? Statt mir ihr eine glückliche Beziehung zu führen, wollte er lieber der Tampon von Camilla sein. Das hält die stärkste Frau nicht aus. Von Beruf Prinzessin, führte Diana neben ihrer Öffentlichkeitsarbeit ein einsames Leben hinter Hofmauern. Am Ende des Tages war sie aber auch nichts anderes als ein verletzbares Mädchen, das einfach nur geliebt werden wollte. Die Massen lagen ihr zu Füßen. Davon kann man sich aber auch nichts kaufen, wenn man nachts einsam im Bett liegt. Diana, die selbsternannte Königin der Herzen, war Stilikone und die meistfotografierte Frau der Welt. Sie wusste den Hype um ihre Person bei der Presse einerseits sehr geschickt zu nutzen. Andererseits war er auch ein Fluch. Ein ungestörtes Privatleben konnte sie unmöglich führen. Als sie den pakistanischen Herzchirurgen Hasnat Khan kennenlernte, war es sofort um sie geschehen. Für die beiden Verliebten begann ein Versteckspiel, das erstaunlich lange gut ging. Es kam aber, was kommen musste, irgendwann landete ihre Beziehung auf den Titelseiten der englischen Yellow Press. Wenn es nach dem Drehbuch geht, das auf der Biografie „Dianas Last Love“ von Kate Snell basiert, soll die Bekanntmachung der Beziehung seitens der Presse der erste Dolchstoß für die Beziehung gewesen sein. Khan, dem seine Arbeit als Herzchirurg alles bedeutete, konnte sich ein Leben, in dem er von Paparazzi verfolgt wird, beim besten Willen nicht vorstellen. Zudem hätte seine Mutter in eine Ehe mit der christlichen und geschiedenen Prinzessin nicht eingewilligt. Und so trennte sich das Paar. Diana stürzte sich in die Beziehung mit Dodi Al Fayed, angeblich nur, um Hasnat eifersüchtig zu machen. Wie diese endete, erfuhr die geschockte Weltöffentlichkeit am 30. August 1997.

Beinahe jeder weiß noch heute, wo er war, als er vom Tod der Princess of Wales erfuhr. Daher stellt sich die Frage, ob ein großes Publikum bereit ist, eine Geschichte zu erleben, in der es um Dianas Liebesleben geht. Irgendwie ist alles noch zu frisch, um sich nicht wie ein Voyeur zu fühlen, wenn man durch den Film von Oliver Hirschbiegel Einblicke in ihr Allerprivatestes erhält. Erschwerend kommt hinzu, dass man dem von Naomi Watts und Naveen Andrews gespielten Liebespaar die großen Gefühle nicht abnimmt. Die Annäherung der beiden wirkt so künstlich wie der berühmte abgespreizte kleine Finger beim Teetrinken. Eins muss man Naomi Watts allerdings lassen. Sie hat sich akribisch auf ihre Rolle vorbereitet. Speziell das berühmte Interview, in dem Diana preisgab, wie unglücklich sie in ihrer Ehe war, hat die Hollywoodschauspielerin bis zum Erbrechen studiert.

Da in der Biografie von Kate Snell nur die Dialoge enthalten sind, die auf verlässlichen Aussagen von engsten Augenzeugen beruhen, mussten für den Spielfilm die meisten selbstredend erfunden werden. Und diese sind ziemlich langweilig. Dr. Khan, der im Oktober 2013 sein erstes Interview gegeben hat, distanzierte sich völlig von dieser Biografie und meinte, das meiste wäre einfach nur superfiktiv. So hätte zum Beispiel seine Familie niemals etwas gegen eine Hochzeit mit Diana einzuwenden gehabt.

Aber so ist es mit den Biografien. Frei nach dem Motto „Bild sprach zuerst mit der Leiche“. Somit muss dem Zuschauer klar sein, dass ihn ein Spielfilm erwartet, in dem es nicht um die historische Person Diana geht, sondern um eine Liebesgeschichte, die nicht sonderlich unter die Haut geht, was am recht langweiligen Drehbuch liegt. Dennoch ist die Klatsche, die von der englischen Presse direkt an Hirschgiebel ging, ziemlich übertrieben. „Diana“ ist zweifelsohne kein Film, bei dem man sich vor Begeisterung überschlägt, aber abwatschen muss man dieses Werk auch nicht. Amused or not amused, das ist hier die Frage. Die Antwort sollten sich die am Film Interessierten, die diese Geschichte sowieso ansehen werden, dann doch lieber selbst geben.

Wertung: 6,5 von 10

Buddy

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Fast jeder hat sich doch bestimmt schon mal nach einer brenzligen Situation bei seinem Schutzengel bedankt. Unternehmer und Draufgänger Eddie Weber (Alexander Fehling; „Goethe“) hat für solchen Firlefanz keine Zeit. Er ist lieber ständig auf der Überholspur, legt alles flach, was nicht bei Drei auf dem Baum ist und lässt keine Party aus. Während in seiner Firma, die er von seinem Vater geerbt hat, wichtige strategische Unternehmensentscheidungen gefällt werden müssen, schläft Eddie lieber aus. Vorzugsweise am Konferenztisch seines todschicken Büros. Bei so wenig Schlafdefizit müsste er eigentlich quietschfidel sein. Ist er aber nicht. Denn plötzlich scheint der Lebemann an Burn-out erkrankt zu sein. Anders lässt es sich nicht erklären, dass ihm plötzlich sein Gehirn einen richtig bösen Streich spielt. Er kann nicht nur eine Stimme hören, sondern ihm erscheint auch der dazugehörende Sprecher. Selbstredend ist er dabei der Einzige weit und breit. Dieser stellt sich als sein Schutzengel mit dem Namen Buddy (Michael „Bully“ Herbig) vor. Für Eddie kann das nur eine fiese Neurose sein, Buddy lässt aber nicht locker, ihn davon zu überzeugen, dass er alles andere als eine Wahnvorstellung ist.

Das klingt ein wenig nach „Das habe ich doch schon mal irgendwo gesehen“. Nun war allerdings Bully am Werk, und das allein macht sehr neugierig. Michael Herbig hat mal wieder bewiesen, dass er großes Kino liebt und das Herz am rechten Fleck hat. Neben seinem Händchen, die Rollen gut zu besetzen, hat er beinahe kein Genre ausgelassen, um sich endlich mal wieder richtig austoben zu können. So gibt es eine mega-gut gedrehte Verfolgungsjagd durch Hamburg zu sehen, die, wenn man es ganz genau nimmt, in dem Ausmaß fast etwas übertrieben ist. Wobei das Ende dieser Jagd richtig guter Slapstick ist. Wenn man selbst das Drehbuch geschrieben hat, Bully heißt, sprich, auch über das Kapital verfügt, um so eine Jagd hollywoodlike in Szene zu setzen, dann gönnt man das dem Tausendsassa.


Neben Action à la Traumfabrik bleibt viel Platz für eine zuckersüße Liebesgeschichte, in der Mina Tander („Männerherzen und die ganz, ganz große Liebe“) den weiblichen Part überzeugend und sehr sympathisch spielt. Auch an die Freunde der Bullyparade hat Michael Herbig gedacht. Seine Einfälle, wie er sich selbst als Schutzengel präsentiert, erinnern an die Sketche der Kultshow. Damit ist aber noch nicht genug. Zu seinem waghalsigen Genre-Mix gehören noch ein Banküberfall mit Hubschraubern und allem Pipapo, ein wenig Fantasy, viel Humor, witzige Dialoge und eine Szene, die an Bollywood ohne schillernde Kostüme erinnert. Wer jetzt aber meint, die Last dieser Mischung könne „Buddy“ das Genick brechen, der hat die Rechnung ohne den talentierten Mr. Herbig gemacht. Scheinbar lockerflocker hat er nicht nur gespielt und geschrieben, sondern auch Regie geführt.

Michael Herbig ist mit „Buddy“ eine überraschend gute, sehr warmherzige Feelgood-Komödie für die ganze Familie (FSK 6 Jahre) gelungen. Manchmal weiß man wirklich nicht, ob man lachen oder weinen soll, so rührend und süß sind einige Szenen. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum manche Kritiker diese herzliche Komödie so dermaßen verreißen. Kann man sich nicht einfach nur freuen, dass Herbig endlich mal wieder einen echten Bully-Film abgeliefert hat, der neben Gewohntem auch viel Platz für neue Facetten hat? Egal! Ignorieren, Spaß nicht vermiesen lassen und eine Runde für alle Schutzengel!

Wertung: 8,5 von 10