Man will oft nur das sehen, was einem das Auge vorgaukelt. Daraus machte Marylin Monroe eine Tugend, an der sie allerdings zerbrach. Auch wenn sie auf Knopfdruck die von ihr bis ins letzte Detail verkörperte Sexgöttin heraus lassen konnte, war sie am Ende des Tages eine kleine schüchterne Kindfrau, die sich nichts sehnlicher wünschte, als einfach nur geliebt zu werden. Und zwar nicht für ihre Rolle als MM, sondern als die Norma Jeane, die durch eine schreckliche Kindheit zutiefst traumatisiert wurde. Selbstverständlich prallten da in nur einem Körper zwei völlig unterschiedliche Welten zusammen, mit der ihr Umfeld erst einmal klar kommen musste. Das galt natürlich nicht nur für ihre Männer, sondern auch für die vielen Kollegen, mit denen sie bei Filmarbeiten zusammen arbeitete. Schnell konnte man sie als oberflächliche Diva abqualifizieren, den Blick in ihr Inneres und in ihre Garderobe gewährte sie aber nur wenigen Vertrauten. Hier saß sie von Selbstzweifeln und Ängsten gepeinigt und war somit nicht in der Lage, pünktlich am Set zu erscheinen.
Für ihren Dreh zu „Der Prinz und die Tänzerin“ wird sie zunächst von ihrem Ehemann Arthur Miller nach England begleitet. Für Marylin ein wichtiger Halt, ihm geht der Starrummel aber schnell auf den Geist, so dass er schnell das Weite sucht. Nun steht sie mit ihren Neurosen mehr oder weniger allein da. Diese werden von Regisseur und Co-Star Sir Laurence Olivier durch sein arrogantes Auftreten ihr gegenüber noch befruchtet. Er, der als einer größten Schauspieler seiner Zeit galt, neidete MM die Aufmerksamkeit der gesamten Weltpresse. Sie wiederum bewunderte ihn für sein Talent als Schauspieler. Auch hier prallten zwei Welten zusammen, die die schüchterne Marylin völlig aus der Bahn warfen. Sie kam ständig zu spät, vergaß ihren Text und brachte den Regisseur an den Rand des Wahnsinns. Was aber nach vielen Klappen im Kasten war, war einfach umwerfend. Dagegen verblasste der große britische Mime direkt, was seinen Neid auf dieses Blondchen, das niemals Schauspielunterricht genommen hatte, noch verstärkte. Einen Beschützer am Set fand sie in dem adligen wohlerzogenen und schüchternen Produktions-Assistenten Colin Clark, der gerade sein Oxford-Studium beendet hatte. Er verliebt sich in diese verletzliche Frau und nicht in den Mythos. Über seine Erlebnisse während der Dreharbeiten schrieb er das Buch „My Week with Marylin“. Diese feinfühligen Erinnerungen liegen diesem wunderbaren Film zu Grunde.
Um einen Film über den größten Filmstar seiner Zeit zu drehen, braucht man erst mal eine Schauspielerin, die diesen auch verkörpern kann. Mit Michelle Williams ist den Produzenten ein wahrer Glücksgriff gelungen. Sie sieht der Monroe zwar überhaupt nicht ähnlich, ist aber trotzdem dermaßen beeindruckend in ihre Haut geschlüpft. Sie spielt sie so anrührend, dass es beinahe weh tut. Dieser Kummer wird noch verstärkt, wenn man daran denkt, dass Heath Ledger, der Vater ihrer Tochter, ebenfalls an seinem Ruhm zerbrach und durch eine Überdosis an Medikamenten verstarb. Vielleicht hat dieser Schicksalsschlag dazu beigetragen, dass sie die MM so brillant, echt und in keinster Weise übertrieben darstellen konnte. In „My Week with Marylin“ wird der Tablettenkonsum der Monroe gekonnt eingewebt. Sie brauchte viele verschiedene Pillen, um mit dem Druck und ihren Ängsten besser umzugehen. Wie die Geschichte endete, weiß ja jeder. Trotz der großartigen Leistung von Michelle Williams, die mit einem Golden Globe belohnt wurde, ist dieser Film keine One-Man-Show. Sir Laurence Olivier wird ganz großartig von Kenneth Branagh dargestellt. Eddie Redmayne, der als junger Laufbursche Colin Clark agiert, überzeugt da kein bisschen weniger. Zu schön, wie er nicht nur schmachtet, sondern mit viel Herz und Einfühlvermögen das Vertrauen der Filmgöttin gewinnt. Abgerundet wird dieses Ensemble von der umwerfenden Judi Dench als verständnisvolle Nebendarstellerin in „Der Prinz und die Tänzerin“.
„My Week with Marylin“ ist eine großartige Hommage an einen Mythos. Trotz des sehr ehrlichen Blicks auf die Scheinwelt, in der die Monroe als Hauptdarstellerin perfekt agierte, wird sie in diesem sehenswerten Film kein bisschen verraten. Man bewundert sie auch noch 50 Jahre nach ihrem Tod, empfindet aber auch so etwas wie Wehmut, Mitleid und Trauer für diese wunderbare Frau.
Wertung: 9 von 10